Kompetenzzentrum für Traumata

Entstehung

Eiche die wohl schon viele Stürme erlebt hat und dennoch gut lebt — Symbol für die Tätigkeit des Kompetenzzentrums für Traumata
Viel erlebt und dennoch stabil – unser Ziel

Das Kompetenzzentrum für Traumata zur Therapie traumatisierter Kinder und Jugendlicher entstand 2020 und wurde 2021 von der Gesundheitsdirektion Zürich als ambulante ärztliche Institution anerkannt.

Das Konzept findet seine Inspiration in ankerland.de in Hamburg, gegründet von Dr. med. Andreas Krüger, einem seit über zwei Jahrzehnten erfahrenen Therapeuten auf diesem Gebiet.

Auch in der Schweiz besteht eine massive Unterversorgung traumatisierter Kinder und Jugendlicher mit langfristigen Folgen für die Betroffenen und deren Familien, sowie finanziellen Belastungen für den Staat. Die WHO geht hierzulande von einem betroffenen Kind pro Schulklasse aus.

Unser Ziel ist, diesen Bedarf mit einem zielgerichteteten ambulanten Angebot kosteneffektiv abzudecken. Wir sind Ansprechpartner für Abklärung, Früherkennung und Kurzinterventionen wie auch für intensive langfristige Therapien und Nachsorge.

Um dem Zentrum einen Namen zu geben der kurz und gut auszusprechen ist, liessen wir uns von diesen zwei Silben inspirieren:
«dao»: das Dao bezeichnet im Daoismus die Lebenskraft, die allen Lebewesen innewohnt, sich ihrem Wesen gemäss zu entwickeln — das wollen wir unterstützen.
«soma»: In der Psychotherapie von Traumafolgen spielt der Körper eine zentrale Rolle (Psychoneurobiologie)

Kerngebiete des Kompetenzzentrums für Traumata

Wir klären alle psychischen Krankheiten des Kindes- und Jugendalters ab.

Häufig sehen wir, und haben unsere Patientinnen als Diagnosen bekommen:
(mit umgangssprachlichen beschriebenen Beispielen)

Allgemeine Schwierigkeiten des Kindes- und Jugendalters

  • Aufmerksamkeits-(Hyperaktivitäts-)Störungen (ADS, ADHS)
    • zB Abwesend sein, Dinge übersehen, nicht stillsitzen können
  • Autismus-Spektrum-Störungen
    • zB Schwierigkeiten haben, die Stimmung anderer zu lesen, keinen Kontakt mit anderen wollen, alles genau geplant haben zu müssen
  • Angst-Störungen
    • zB Angst haben vor vielen anderen Menschen, oder unspezifische Angst
  • Affektive Störungen wie Depression oder Manie
    • zB starke Stimmungsschwankungen, länger niedergeschlagen sein, zu nichts mehr Lust haben oder übermässig aufgedreht sein
  • Epilepsie
    • zB Anfälle, immer wieder eine Minute Augen hochdrehen, oder auch eindrücklichere Anfälle mit Krämpfen
  • Substanz- oder Verhaltensabhängigkeiten
    • zB Internetsucht, zu viel oder zu wenig essen, Substanzen in einem Mass, dass anderes oder andere im Leben darunter leiden
  • Schulschwierigkeiten
    • zB Mobbing, Lernschwierigkeiten, nicht stillsitzen können, abwesend sein, Konflikte
  • Konflikte in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz
    • zB Konflikte die nicht gelöst werden können, über Umgang miteinander über Schwierigkeiten mit Mitschüler:innen oder Lehrer:innen, Konflikte am Arbeitsplatz
  • Traumafolgestörungen
    • zB liegt der Verdacht nahe, wenn jemand Schlimmes erlebt hat oder erlebt und deswegen nicht schlafen kann, immer wieder sich Gedanken aufdrängen, nachts mit Schweiss aufwacht, oder den Körper nicht spürt – besonders wenn schon mehrere der obigen Diagnosen gestellt worden sind.

Diese gehören sorgfältig abgeklärt, um richtig behandeln zu können oder auch weiterzuverweisen.

Traumafolgestörungen als Haupttätigkeit des Kompetenzentrums für Traumata

Wir behandeln stellvertretend für alle Traumafolgestörungen folgende vier schwerwiegende Störungen (gemäss ICD-11, der Liste aller Krankheiten), die als Folge seelischer Unfälle auftreten, mitsamt den häufig damit gekoppelten Störungen:

1. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

  • zB nach einem schlimmen Ereignis wiederkehrende Erinnerungen (Flashbacks) haben, oder immer wieder nachts schweissgebadet aufschrecken

2. komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)

  • wie 1, aber zB vermindertes Selbstbewusstsein, den Alltag nicht mehr bewältigen können, unkontrolliertes Verhalten, Gefühle von Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit

3. partielle Dissoziative Identitätsstörung (pDIS)

  • manchmal Teile seines Körpers nicht als zu sich gehörig empfinden, sich als andere Person fühlen, denken und handeln, ausrasten und nichts davon wissen, sich selber im Spiegel nicht erkennen, bekannte Umwelt als fremd empfinden

4. Dissoziative Identitätsstörung (DIS)

  • wie 3, aber dazu manchmal eine andere Persönlichkeit annehmen, und nichts davon wissen,

Solche Babies, Kinder und Jugendliche haben Gewalt aller Formen oder Vernachlässigungen erlebt, oft jahrelang, viele haben nie einen glücklichen Zustand kennengelernt. Therapie muss darum aufbauen was nie erfahren wurde oder heilen was zerstört wurde — allem voran das Vertrauen in sich selbst und den eigenen Körper und in die Beziehungen zu anderen Menschen.

Behandlungsmethoden

Die verwendeten Methoden haben über alle Spezialgebiete vieles gemeinsam. Wie in der Körpermedizin manchmal die Seele vergessen wurde, ist in der Psychotherapie oft der Körper vergessen gegangen.

Unter anderem folgende Methoden werden angewandt, und haben Schwerpunkte in den verschiedenen Bereichen:

  • Transaktionsanalyse/Schema-Therapie/Ego-States/PITT-KID
    • Gedanken, Vorstellungen, Wörter, Bilder, Sinnhaftigkeit
  • Gestalttherapie/Integrative Therapie
    • Gefühle
  • Somatic Experiencing/Tune-in to children/Transforming the Experience-Based Brain/Somatic Resilience and Regulation:
    • Körperempfindungen
  • Systemische Kurzzeittherapie/systemische Familientherapie/Ich schaff’s/Individualpsychologisch orientierte Psychotherapie
    • Konzentration auf Lösungen, Umfeld, Zusammenhänge mit anderen Personen

Narrative Expositionstherapie (NET), Brief Eclectic Psychotherapy for PTSD (BEPP), Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KVT), Dialektisch Behaviorale Therapie bei Traumafolgestörungen (DBT-PTSD), Psychotherapie dissoziativer Störungen

Bei Bedarf arbeiten wir integrativ und beziehen in Absprache mit den Patient:innen wenn nötig und sinnvoll das Umfeld mit ein, wie zum Beispiel (Pflege-)Familie, Schulen, Arbeitgeber, Kliniken und weitere Fachärzt:innen.

Behandlungsteam des Kompetenzzentrums für Traumata

  • Marc Heusser: Psychotherapeut und Traumatherapeut
  • Fana Asefaw: Dr. med., Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  • Beat Kissling: Dr. phil., Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeut, Hochschuldozent

Sprachen

Wir sprechen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Tigrinya.

Gut zu wissen

Alle Mitarbeitenden des Kompetenzzentrums für Traumata unterstehen der beruflichen Schweigepflicht. Sie können von niemandem, auch nicht der Polizei oder einem Gericht dazu verpflichtet werden, Auskunft zu geben.

Ausschliesslich Wahrnehmungen, die auf ein Verbrechen oder Vergehen gegen Leib und Leben, die öffentliche Gesundheit oder die sexuelle Integrität schliessen lassen, dürfen Ärzte oder Psychotherapeuten aufgrund von Gesundheitsgesetz Art. 15 Abs. 3&4 des Kantons Zürich den zuständigen Behörden melden (Polizei oder Staatsanwaltschaft — nicht aber KESB). Selbst dies werden sie wenn immer möglich in Absprache mit dem Patienten oder der Patientin tun.

Notfall

Notfall mit psychischer und körperlicher Reaktion auf akute schlimme Ereignisse (Notfallpsychologie):
Buchen Sie online den nächsten freien Termin im Kompetenzzentrum für Traumata und senden uns zusätzlich eine Mitteilung über das Kontaktformular.  Oder wählen Sie Telefon 044 383 89 30

Medizinische Notfälle im Kanton Zürich: Telefon 0800 33 66 55 wählen
erreichbar 365 Tage im Jahr 24 Stunden. Das gilt auch für psychiatrische Notfälle wie zum Beispiel akute Psychose (Wahnvorstellungen und entsprechende Handlungen)

Akute Lebensgefahr: Telefon 144 wählen
wenn möglich der Patient selber, aber auch jede andere Person!